Schulstress und Entspannung

Maria besucht die 1. Klasse Mittelschule. Bei/nach jeder Schularbeit bekommt sie heftige Kopfschmerzen. Wenn sie dann nach Hause kann, liegt, schläft, sind diese wieder weg. Manchmal treten die Kopfschmerzen auch ohne Schularbeit auf. Eine Abklärung auf organische Ursachen bringt unauffällige Befunde.

Josef hat oft krampfartige Bauchsmerzen im Nabelbereich. Diese treten meist vormittags – 1.-2. Stunde auf. Nachmittags ist meist alles wieder o.k., selten auch nicht. (Blinddarm ist schon vor Jahren entfernt) Josef ist 13a, in den letzten Monaten sehr gewachsen und hat sich auch sonst verändert. Er bleibt länger auf, steht spät auf, hat es in der Früh immer eilig, streitet mit seinem Brunder und den Eltern öfters.

Regelmäßig Montag vormittags hat Franz, 11 Jahre alt, Bauchweh und es ist ihm übel. Das Bauchweh ist so heftig, dass er meint, in der Schule hält er es nicht mehr aus, er muss abgeholt werden. Auch krank ist Franz oft – mit allen Beschwerden eines Infekts der oberen Atemwege. Franz ist schüchtern, findet keinen richtigen Anschluss – Freund. Er findet die Lehrer und das größere Arbeitspensum verwirrend/schwer leistbar. In der Früh zum Frühstück ist die Mutter schon außer Haus, da ihre Arbeit um 6 Uhr beginnt, der Vater je nach Arbeitspensum. Tagsüber ist Franz in der Nachmittagsbetreuung, abends manchmal wieder je nach Arbeitspensum der Eltern ( die Mutter hat zwei Jobs, der Vater einen immer unterschiedlich langen Arbeitstag) alleine. Franz hat kaum Hunger, mag nicht essen.

Die Aufzählungen lassen sich beliebig fortsetzen. Allen 3 Aufzählunge ist gemeinsam, dass die Kinder/Jugendlichen Befindlichkeitsstörungen haben, die man mit „Stress“ in Verbindung bringen kann. ( Bei Abklärung keine organische Ursache) Die Ursachen sind unterschiedlich, die Reaktion der einzelnen auch.

„Stressauslöser“ sind auf:

Unbewältigter Lernstoff: Der/die Schülerin hat etwas nicht begriffen, aber Angst nachzufragen ( als „dumm“ dazustehen)

Erwartungsangst: Er/sie möchte alles perfekt ausführen, hat das Gefühl , die anderen erwarten das von ihm/ihr und er/sie kann es vielleicht nicht erfüllen.

Angst vor Liebesentzug/Gruppendruck: Er / sie möchte einerseits die Erwartungen erfüllen, die an ihn gestellt sind, will es allen „recht“ machen und kann daher auch nicht „nein“ sagen. Anderseits fühlt er/sie sich nicht in der Persönlichkeit angenommen (und deshalb nichts „wert“) Reagiert darauf mit Aggression oder Verzweiflung/Verweigerung.

Angst etwas zu verpassen: „Freizeitstress“ durch viele Aktivitäten über die Schulzeit hinaus

Über diese Belastungen,die teilweise den schulischen aber auch den außerschulischen Bereich betreffen, können zusätzliche „klassische“ Belastungen Stress verursachen:

Familiäre Krisen, Einsamkeit, veänderter Freundeskreis

Die Auswirkungen /Reaktionen des Kindes/Jugendlichen können, wie oben beschrieben mannigfaltig sein:

Vom Verhalten her: „Stille“ und „laute“ Symptome:

Das Kind kann Ängste entwickeln, sich zurückziehen, indem es zwar körperlich aber nicht geistig anwesend erscheint, unkonzentiert ist, verträumt, sich in sein Zimmer zurückzieht (vermehrt) , Freudeskontakte abbricht/wenig pflegt, beginnt Nägel zu kauen, Haare auszureißen, sich an manchen Stellen blutig kratzt, viel schüchterner wirkt, häufig auch bei banalen Dingen lügt.

Oder andererseits: Frech und vorlaut wird, viele Dinge lautstark verweigert, verbal und tätlich aggressiv wird, unruhig wird, waghalsiger in seinen Unternehmungne, prahlt, lügt, stiehlt.

Vom körperlichen her: Immer wiederkehrende Kopfschmerzen, Nackenschmerzen, Bauchweh, Magenweh und Übelkeit entwickelt (bei denen keine organische Ursachen gefunden werden können), der Appetit sich stark verändert (appetitlos oder stark appetitgesteigert), Schlafstörungen zeigt.

Was kann man tun, wenn man den Verdacht hat, dass ein Kind eine Stressreaktion zeigt:

Für gutes Gesprächsklima sorgen, sich Zeit für Gespräche nehmen, damit es sich – seiner Entwicklungstufe angepasst – äußern / sein Herz ausschütten kann.

Zeitrahmenkontrolle: Gibt es genügend Raum für Ruhe und Entspannung?

Kontrolle: Ist der Leistungsdruck für das Kind hoch, ist eine Reizüberflutung vorhanden (viel Fernsehen, Handyspielen, viele Freizeitaktivitäten)

Nicht immer wird man die Stressfaktoren ausschalten können.

Was man aber vermitteln und fördern kann, ist ,dass durch Nachdenken/Gespräche viel Dinge veränderbar sind und dass es auch schon eine Erleichterung darstellt, wenn der Stressfaktor beim Namen genannt ist.

Und dass man mit kurzen Ruhepausen, in denen man sich gut entspannt auch schon viel gewonnen ist.

Deswegen ist es mir ein Anliegen, dass auch schon Kinder Entspannungstechniken lernen, wenn auch noch kein akuter Grund vorhanden ist, damit sie dann im „Notfall“ eine Handhabe gegen Stress haben.

Ich habe eine Sammlung von Entspannungsübungen zusammengestellt, die den LehrerInnen und Eltern/Schüler zu Verfügung stehen. Ein Exemplar wird für LehrerInnen im Konferenzraum aufliegen, Eltern / SchülerInnen können auch von mir entsprechende Materialien zur Verfügung gestellt bekommen.

Ich hoffe auch, dass es klappt, dass im Rahmen des „SPUKI“ „autogenes Training“ als klassische Entspannungsmethode durchgeführt werden kann. (Vortragende vorhanden)