Warum wir Goethes Faust lesen sollten!

Veröffentlicht am 31. Mai 2022

Ein fiktiver Dialog von Lukas Perktold, 7a

Der folgende Dialog handelt von dem Kritiker Karl, der behauptet, „Faust“ sei veraltet und sprachlich und inhaltlich nicht mehr zeitgemäß, und dem Bewunderer des „Faust“ Bert, der seine Meinung mit Argumenten untermauert.

K: Also wirklich Bert, ich kann nicht verstehen, dass du Faust so sehr bewunderst. Allein die Sprache ist mir komplett fremd. Die ist total veraltet, außerdem welcher normale Mensch reimt denn andauernd?

B: Gerade so etwas wie das Reimen, macht das Werk von Goethe nur noch phänomenaler. Das macht Faust nicht nur zu einem Buch, sondern zu einem Kunstwerk.

K: Naja, du betrachtest es als Kunst, ich sehe es als Störung des angenehmen Leseflusses. Aber es stört mich nicht nur diese Herumreimerei, sondern auch die komplette Geschichte ist doch verrückt. Ein Typ in seiner Midlifecrisis schließt in seiner Verzweiflung einen Pakt mit dem Teufel, wünscht sich wieder jung und schön zu sein und macht sich dann an ein viel zu junges Mädchen ran.

B: Ha, das hat sich grad gereimt!

K: Jetzt unterbrich mich nicht! Ich war noch nicht fertig. Der Typ stiftet ja auch noch dieses Mädchen dazu an ihre eigene Mutter zu vergiften, nur um diese dann ungestört flachlegen zu können. Und dann schwängert er sie auch noch. Sie in ihrer Verzweiflung bringt letztendlich ihr eigenes Kind um. Wie kann diese Story pädagogisch wertvoll sein?

B: Nun Karl, Kinder sind zum einen nicht gerade die Zielgruppe des Werks. Zum anderen gibst du den Inhalt sehr sparsam und tölpelhaft wieder.

K: Tölpelhaft! Du provozierst heute aber ziemlich!

B: Bleib ruhig, lass mich doch selbst ausreden. Ich habe gemeint, dass du gerade viele wichtige Punkte ausgelassen hast. Es ist doch spannend, wie die Beziehung zwischen Gott und dem Teufel dargestellt wird. Und auch die Tatsache, dass ein so Gelehrter Mensch wie Faust in seiner Verzweiflung und durch sein Verlangen, die Welt verstehen zu wollen, bereit ist mit dem Teufel einen Vertrag einzugehen, ist interessant. Und ja, die Gretchentragödie ist was es ist, eine Tragödie. Dass Gretchen ihre Mutter den Trank gegeben hat und dass sie ihr Kind ermordet hat, waren alles Fehler und sie ist sich dessen bewusst. Somit trifft das, was Gott im Prolog gesagt hat, auf Gretchen zu. Ein guter Mensch in seinem dunkeln Drange ist sich des rechten Weges wohl bewusst.

K: Was willst du mir letztendlich damit sagen?

B: Es geht nicht nur darum, was geschrieben steht, sondern darum, was man aus dem Geschriebenen herausholen kann. Mit der Figur des Faust hat Goethe den Entwurf eines modernen Menschen geschaffen. Und dieser moderne Mensch will immer mehr: mehr Wissen, mehr Geld, mehr Sex. Der Kick kann nicht groß genug sein. Grenzen akzeptiert er nicht. Zufrieden ist er nie. Gewissenlos zerstört er sogar das, was ihn am Leben hält. Faust lässt sich als Parabel lesen. Als Parabel auf die globalisierte und beschleunigte Welt, in der die Umwelt ausgebeutet wird, die Menschen ihr ganzes Glück im Konsum suchen, immer schneller unzufrieden sind und unaufhörlich auf die Zukunft spekulieren.

K: Hmm, so habe ich das noch nicht betrachtet. Ich halte zwar immer noch nicht allzu viel von Faust, aber ich verstehe zumindest, was du meinst.

B: Dann hat sich unsere Debatte doch etwas gebracht. Gehen wir auf ein Bier.

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