Wer bin ich?

Veröffentlicht am 02. November 2020

Wer bin ich? Um ehrlich zu sein, ich weiß es nicht genau. Ich glaube, ich bin eine eher ruhige Person, die oft und viel über alles nachdenkt. Ich bin mir sicher, dass mich viele Leute deshalb für langweilig halten. Vielleicht bin ich es auch. Doch Menschen, die mir nahestehen, sehen das anders. Es sind nicht viele, aber es sind die richtigen! Bei ihnen kann ich sein, wie ich bin.  

Früher fiel es mir leicht, Anschluss zu finden. Früher hatte ich noch Selbstbewusstsein. In der Schule bin ich die, die sich selten meldet und etwas zum Unterricht beiträgt. Ich bin die, die währenddessen etwas in ihr Heft zeichnet. Ich bin nicht dumm oder faul. Ich bin leise, unauffällig und schüchtern. Vor anderen Menschen zu sprechen, macht mir Angst. So große, dass ich am ganzen Leib zittere, dass mir heiß und schlecht wird und ich auf irgendeinem Grund weinen könnte. Manchmal fühle ich mich auch so, wenn gerade nichts passiert. Ich habe das Gefühl, dass mich alle beobachten. Auch wenn es gar nicht so ist. Ich bekomme plötzlich schwer Luft und möchte einfach Nachhause.  

Ich bin gerne Zuhause. Ich lebe zusammen mit meiner Familie und meinem Hund. Am liebsten backe ich mit meiner Oma, lache mit meinem Papa, spiele mit meinem Hund oder zeichne allein in meinem Zimmer. Ich bin gerne allein. Manchmal nicht, aber meistens schon, denn oft fühle ich mich, als ob ich die einzige Person bin, die mich versteht. Wow. Das klingt, als ob ich eine traurige Person bin. Das bin ich nicht. Mein Privatleben ist großartig. Doch der Rest drumherum… Besonders in der Schule würde ich mich gerne wohler fühlen. In der Schule wird Großteils darauf geachtet, was du nicht kannst. Doch schaut eigentlich jemand auf die Person hinter den Noten? Wer auch immer das liest, wird denken, ich bin depressiv. Ich bin eine glückliche Person! Ich wachse in einem tollen Umfeld auf mit Menschen, die mich lieben. Ich bin glücklich. Doch Schule und Privatleben sind für mich zwei verschiedene Welten, die sich ab und zu kreuzen. Als ob ich zwei verschiedene Personen bin. Ich gehe gerne zur Schule. Ich bin gerne zur Schule gegangen. Ich mag nicht alles an ihr, das ist klar. Aber ich mag Deutsch, Mathematik, Biologie, Kunst,…  

Es gibt das glückliche Mich und es gibt das traurige Mich. Ich kann nicht entscheiden, wann ich wer bin. Es passiert einfach. Ich hoffe, ich werde öfter das glückliche Ich als das traurige Ich sein. Ich hoffe es. Ich glaube es. Ich war immer der Sonnenschein an meiner alten Schule und ich werde auch jetzt wieder einer sein. 

LENI GOTTRE, 5B