Die 8.C schließt die drei Epochen ihres Philosophieunterrichts des Schuljahres jeweils mit einer Philosophierstunde ab. Dabei beweisen die jungen Menschen das, was man bei Jaspers (Was ist der Mensch? 2001) oder bei Russell (Der Wert der Philosophie 1912) schon erfahren hat: dass das Tun und Handeln, das Philosophieren den Wesenskern der Philosophie darstellt. Da die Zeit in der achten Klasse drängt, sind den drei Philosophierstunden zur Klassik (siehe unten), zum Zeitabschnitt der Klassik bis zum Beginn der Moderne und zu Moderne und Postmoderne, enge Fesseln angelegt.
Die Vorgangsweise ergibt sich aus folgenden Einzelschritten für die Schüler/innen:
1. Es liegen im Klassenzimmer sechs Stationen mit philosophischen ‚Stimuli‘ auf.
2. Bildet bitte kleine Gruppen zu vier Leuten.
3. Bei jeder Station findet ihr ein Zitat oder eine kurze Zusammenfassung von den Philosoph/innen und aus jenen philosophischen Epochen, die wir bisher behandelt haben.
4. Sucht euch ein erstes Zitat aus und nehmt an dem Tisch Platz.
5. Ihr habt pro Station nur 5 Minuten Zeit um euch zu diesem Stimulus eure Gedanken zu machen und euch darüber auszutauschen.
6. Am Ende eurer Auseinandersetzung notiert auf dem beiliegenden Blatt zwei Sätze - die auch durchaus gegensätzliche Meinungen zeigen können - zu dem Zitat, mit dem ihr euch beschäftigt habt. Schreibt bitte am Ende eurer Diskussion diese zwei für euch bezeichnenden Sätze als Ergebnis (conclusio) auf dieses Blatt Papier. Lasst das Blatt bitte liegen, wenn ihr zur nächsten Station geht.
7. Ich hüte die Zeit. Auf ein Zeichen geht ihr bitte zum nächsten Tisch mit dem nächsten Anreiz weiter.
Wie schon des Öfteren reagierten die Schüler/innen dabei mit spannenden schriftlichen Reaktionen, die durchaus kontroversiell sind und die ich (kursiv) unter dem jeweiligen Anreiz festgehalten habe:
„Der Krieg ist der Vater aller Dinge“ (Heraklits Zugang zur Dialektik des Lebens, dass ohne Zerstörung nichts Neues entsteht).
Kriegen folgen Neustarts. Der Mensch lernt aus Kriegen. – Aus Kriegen wurde noch nie was gelernt. Veränderungen hervorgerufen haben sie allerdings.
„Der Mensch ist von Natur aus begierig zu lernen“ (Der erste Satz der aristotelischen Metaphysik).
Der Mensch ist unglücklich, wenn er keine Erfahrungen sammeln kann, nichts Neues lernen darf, keine Herausforderungen meistern muss, nichts ausprobieren darf, …
Was der Mensch lernen will, ist schön zu lernen. – Was er lernen muss, das nimmt er gern an.
Aristoteles meint, damit der Mensch Glückseligkeit (eudemoneia) erreichen kann, benötigt er Dinge, die Aristoteles in
- äußere (Reichtum, Freundschaft, Herkunft, Nachkommen, Ehre, ein günstiges persönliches Geschick),
- körperliche (oder innere) Voraussetzungen sind Gesundheit, Schönheit oder physische Stärke
- und seelische Güter, die sich aus der vernünftigen Betätigung der Seele (Tugenden) ergeben, unterteilt
Wie steht ihr zu diesen Voraussetzungen zur Glückseligkeit? (aus Aristoteles Nikomachischer Ethik).
Es ist wichtig, dass man mit sich selbst zufrieden ist.
Es ist alles voneinander abhängig
„Freundschaft, das ist eine Seele in zwei Körpern“ (Aristoteles).
Freundschaft ist Seelenverwandtschaft.
Freundschaft verbindet Menschen.
Gleiche Gedanken und gleiche Gefühle.
„Ich weiß, dass ich nicht weiß.“ ( Das sokratische Grundprinzip der Erkenntnistheorie).
Es gibt keinen allwissenden Menschen.
Die Menschen, die wissen, dass sie nicht wissen, wissen mehr als diejenigen, die denen, dass sie alles wissen.
Alles Wissen ist doch nur Vermutungswissen. (Das findet sich in Poppers Wissenschaftsethik wieder.)
„Lerne zuzuhören, und du wirst auch von denjenigen Nutzen ziehen, die nur dummes Zeug reden“ (Platon).
Für die meisten Lehrer/innen sind Schüler/innen unwissend, doch manchmal eröffnen sie durch ihr kreatives Denken neue Denkbahnen für die Lehrer/innen.
8.C & PY |